Von der Ruine zum Traumhaus: Die Kernsanierung der Scheune
Erfahre, wie wir den alten Bauernhof in ein modernes und stilvolles Zuhause verwandelt haben. Begleite uns auf einer Reise voller Herausforderungen, kreativer Lösungen und inspirierender Momente.
Detaillierte Schritte der Renovierung, besondere Herausforderungen, Highlights des Umbaus und Vorher-Nachher-Bilder.
Die Renovierung eines alten Gebäudes ist eine Reise voller Herausforderungen und Überraschungen. Unser Hof47, ein historischer Bauernhof am Rande von München, war einst eine stille Zeugin vergangener Zeiten. Heute erstrahlt die Scheune in neuem Glanz und erzählt unsere Geschichte – die Verbindung von Tradition und modernem Design.
Eine Scheune voller Geschichte
Unsere Scheune hat eine reiche und bewegende Geschichte, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Über Generationen hinweg diente sie als Heimat und Schutz für unsere Familie, insbesondere in schwierigen Zeiten wie den Weltkriegen. Diese Erinnerungen und Geschichten sind tief in den Mauern verankert und waren für uns der Antrieb, dieses Erbe zu bewahren. Als die Scheune nach dem Tod unserer Großeltern leerstand, war sie ein stiller Zeuge der Vergangenheit – und wir wussten, dass wir ihr neues Leben einhauchen mussten, um die Familiengeschichte weiterzuführen.
hof-47 historische Fotografie vom Bauernhof
Der Start der Kernsanierung
Die Entscheidung, die Scheune zu renovieren, fiel im Jahr 2018. Der Zustand des Gebäudes war desolat, und die letzte umfassende Renovierung lag bereits seit 1912 zurück. In den Jahren vor der Renovierung wurde die Scheune größtenteils als Lager genutzt und war stark verfallen. Der einfachere Weg wäre gewesen, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen. Doch für uns stand fest: Der historische Charakter der Scheune sollte bewahrt und in ein einzigartiges Zuhause verwandelt werden. Unsere Vision war es, die ursprünglichen Elemente zu erhalten und sie mit modernen Wohnstandards zu kombinieren – ein Vorhaben, das uns Jahre an Arbeit und Hingabe kostete.
Um die Kosten eines so umfangreichen Projekts zu kontrollieren, entschieden wir uns, viel Eigenleistung einzubringen. Die komplette Entkernung führten wir in Eigenregie durch, was mehr als 400 Kubikmeter Schutt und 14 Monate harter Arbeit bedeutete. Diese Phase war herausfordernd: Vom Entfernen von blauen Betonplatten, die uns und die Maschinen an die Grenze brachten, bis hin zur Entdeckung verfaulter Holzbalken, destabilisierten tragenden Elementen und feuchten Wänden – wir standen vor unzähligen Hindernissen.
Der erste Schritt bestand darin, die Scheune vollständig zu leeren und den gesamten vorhandenen Putz zu entfernen. Anschließend trugen wir den Boden um fast 1,8 Meter ab, um eine stabilere Basis zu schaffen. Danach sicherten und unterfingen wir alle Innen- und Außenwände, um die Tragfähigkeit des Gebäudes zu gewährleisten. Dieser grundlegende Teil der Renovierung war essenziell, um eine stabile Grundlage für den weiteren Bauprozess zu schaffen und das Projekt erfolgreich voranzutreiben.
Herausforderungen, die uns prägten
Die Renovierung brachte viele Herausforderungen mit sich. Die Entkernung und Stabilisierung der Struktur war ein enormer Aufwand, der Wochenenden und unzählige Arbeitsstunden forderte. Gleichzeitig mussten wir den Balanceakt zwischen Beruf, Familienleben und Projekt meistern. Trotz aller Hindernisse half uns der gemeinsame Einsatz, als Familie zusammenzuwachsen und neue Wege im Umgang mit Stress zu finden.
Segmentbögen Gewölbe
Abfangen vom Gewölbeschub & Segmentbögen herstellen
Im ehemaligen Kuhstall haben wir die kleinen Fenster durch große, zweiteilige Türen mit Sprossen ersetzt, um den Raum mit mehr Licht zu durchfluten und ein offenes Raumgefühl zu schaffen. Hierfür nutzten wir die vorhandenen Mauerdurchbrüche, die wir entsprechend erweiterten. Ein wichtiger Schritt war die Sicherung des Gewölbeschubs, der durch die Vergrößerung der Öffnungen verstärkt abgefangen werden musste. Dazu verankerten wir U-Stahlträger mit Gewindestangen fest in der Wand und betonierten den unteren Teil in die Bodenplatte ein, um eine solide Basis zu schaffen.
Nach der Stabilisierung des Gewölbes wurde eine Bogenlehre als temporäre Unterstützung konstruiert, um den Segmentbogen präzise zu formen. Dieser Schritt war entscheidend, um den Mörtel während der Trocknungsphase zu stabilisieren und die korrekte Position der Ziegelsteine zu gewährleisten. Der sorgfältig geplante und umgesetzte Bau des Segmentbogens verlieh dem Raum nicht nur zusätzliche Stabilität, sondern auch eine elegante architektonische Note.
Mit modernen Materialien und einer Kombination aus traditionellen Techniken und innovativen Ansätzen wurde der Umbau zu einem optischen und funktionalen Highlight. Das Ergebnis ist ein heller, offener Raum mit einem zeitgemäßen, dennoch charaktervollen Look.
Architektur, die Geschichten erzählt
hof 47 historisches Aufmaß vom Bauernhaus mit Ansichten, Schnitten und Grundrissen
Eines der Highlights war der Ausbau des Heubodens zum offenen Wohnzimmer-Loft. Die freigelegten Holzbalken, mit ihren charakteristischen Schnitten und Narben, blieben erhalten, um dem Raum seinen besonderen Charme zu verleihen. Kleine Details wie das originale Mauerwerk und die restaurierten Deckenbalken vereinen alte und neue Elemente zu einem harmonischen Ganzen.
Nachhaltigkeit als Grundpfeiler
Von Beginn an war uns bewusst, dass die Renovierung nachhaltig und energieeffizient sein sollte. Ein erfahrener Energieberater begleitete uns, um die Scheune zukunftssicher zu machen. Diese Entscheidungen spiegeln unseren Ansatz wider, historische Architektur zu bewahren und zugleich den Anforderungen des modernen Wohnens gerecht zu werden.
Ein Ort zum Leben und Wachsen
Seit anderthalb Jahren wohnen wir nun in unserem Traumhaus. Der Umzug vom Stadtleben in München aufs Land war eine Herausforderung, die sich als wertvoller Schritt erwies. Anfangs fühlte sich das Haus noch wie eine Baustelle an, doch nach und nach wuchs es zu einem behaglichen Zuhause. Die ruhige Umgebung und der Raum zur Entfaltung sind ein Segen für unsere Familie.
Die Renovierung unserer Scheune war eine anspruchsvolle, aber lohnenswerte Reise. Das Ergebnis ist nicht nur ein restauriertes Gebäude, sondern ein Zuhause voller Leben und Geschichte. Das Gefühl, ein Stück Vergangenheit gerettet und für zukünftige Generationen bewahrt zu haben, ist für uns das größte Geschenk.
Tipps für eigene Sanierungsprojekte
Wenn du selbst eine Kernsanierung planst, haben wir einige wertvolle Tipps aus unserer Erfahrung zusammengestellt:
Geduld haben: Eine Kernsanierung ist kein Projekt, das über Nacht abgeschlossen werden kann. Plane genug Zeit für unvorhergesehene Herausforderungen ein. Es ist normal, dass die Arbeiten länger dauern als ursprünglich kalkuliert, da der Zustand eines alten Gebäudes oft Überraschungen bereithält. Eine flexible Planung und die Bereitschaft, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, helfen dabei, Stress zu minimieren.
Lokale Handwerker einbeziehen: Die Wahl von Handwerkern aus der Region bringt viele Vorteile mit sich. Sie kennen traditionelle Bauweisen und haben oft Erfahrung mit ähnlichen historischen Projekten. Zudem können sie auf lokale Ressourcen zurückgreifen und wissen, wie man mit spezifischen regionalen Herausforderungen umgeht, wie z. B. Wetterbedingungen oder bestimmte Baunormen. Gute Beziehungen zu diesen Fachleuten können den Projektverlauf beschleunigen und erleichtern..
Tradition bewahren: Historische Details, wie alte Holzbalken, Originalmauerwerk oder schmiedeeiserne Geländer, verleihen einem Haus seinen einzigartigen Charakter. Es lohnt sich, Zeit und Ressourcen in die Erhaltung solcher Elemente zu investieren. Diese Details erzählen die Geschichte des Hauses und verbinden es mit seiner Vergangenheit. Wenn du historische Elemente bewahrst, verleihst du deinem Zuhause eine besondere Note, die Neubauten oft nicht bieten können.
Nachfinanzierung einplanen: Eine Sanierung im Bestand ist oft schwieriger zu kalkulieren als ein Neubau. Achte darauf, einen verlässlichen und erfahrenen Finanzierungspartner an deiner Seite zu haben. Der günstigste Anbieter ist nicht immer die beste Wahl auf lange Sicht. Wir haben uns für die Baufinanzierung der Sparda-Bank München entschieden und würden diese Entscheidung jederzeit wieder treffen – es war beruhigend, in sicheren Händen zu sein.